Update cookies preferences
#HR-Beitrag

Quereinsteiger einstellen: Chancen, Risiken und wann sich die Ausbildungszeit lohnt

VeriTreff GmbH
23. Februar 2026
7 Min. Lesezeit

Der Arbeitsmarkt erfährt einen Umbruch: Klassische Karrierewege verlieren an ihrer ursprünglich starren Struktur, während berufliche Neuorientierungen häufiger werden. Unternehmen stehen somit vor der Frage, ob sie lieber etwas länger auf klassisch ausgebildete Fachkräfte warten, um offene Stellen zu besetzen, oder Quereinsteiger einstellen wollen. Doch ist der Verzicht auf formale Abschlüsse ein Risiko oder vielmehr eine Chance?

Quereinsteiger einstellen: Chancen, Risiken und wann sich die Ausbildungszeit lohnt

Was genau sind Quereinsteiger – und was sind sie nicht?

Quereinsteiger sind Arbeitnehmer, die eine Tätigkeit aufnehmen, für die sie keine klassische Ausbildung absolviert haben. Die Definition orientiert sich somit nicht an dem fehlenden Abschluss, sondern an dem fachlichen Richtungswechsel. Es handelt sich nicht um ungelernte Kräfte, sondern um Personen mit Berufserfahrung, die ihre Kompetenzen auf ein neues Tätigkeitsfeld übertragen und neue erlernen wollen.

Das bedeutet gleichzeitig auch, dass nicht jeder Bewerber mit Lücken im Lebenslauf automatisch ein Quereinsteiger ist. Auch Berufseinsteiger oder Wiedereinsteiger zählen nicht zu ihnen, wenn kein Fachrichtungswechsel angestrebt wird.

Welche unterschiedlichen Profile verbergen sich hinter Quereinsteigern?

  • Personen mit abgeschlossener Ausbildung in einem anderen Beruf
  • Akademiker, die bewusst die Branche wechseln
  • Menschen nach Umschulung oder beruflicher Neuorientierung
  • Fachkräfte aus körperlich belastenden Berufen, die neue Perspektiven suchen

Aus welchen Branchen kommen Quereinsteiger?

Bestimmte Branchen fungieren seit Jahren als „Abgeber“, andere als „Aufnehmer“. Besonders häufig wechseln Beschäftigte aus Berufen mit hoher körperlicher Belastung, geringem Entwicklungsspielraum oder unsicheren Arbeitsbedingungen, wie es in kaufmännischen, technischen und dienstleistungsorientierten Bereichen der Fall ist.

Typische Branchen sind:

  • Pflege und soziale Berufe
  • Einzelhandel und Verkauf
  • Handwerk und Industrie
  • Verwaltung und kaufmännische Berufe
  • Gastronomie und Tourismus

Welche Berufe und Tätigkeitsfelder eignen sich besonders für Quereinsteiger?

Besonders geeignet sind Tätigkeiten, bei denen Fachwissen strukturierbar, prozessgetrieben und intern vermittelbar ist:

  • Kundenservice und Callcenter
  • Vertrieb und Inside Sales
  • IT-Support und Anwendungsbetreuung
  • Logistik, Disposition und Produktionssteuerung
  • Pflegeassistenz und soziale Dienstleistungen
Gut zu wissen: Entscheidend ist nicht die Branche selbst, sondern die Frage, ob Wissen systematisch aufgebaut werden kann.

Warum sind Quereinsteiger für Unternehmen relevanter denn je?

Fachkräftemangel, demografischer Wandel und rasante technologische Veränderungen tragen dazu bei, dass formale Abschlüsse immer schneller an Aktualität verlieren. Dennoch orientieren sich noch immer viele Stellenprofile an linearen Karrierewegen – mit dem Risiko, potenziell geeignete Kandidaten auszuschließen und Wettbewerbsnachteile einzufahren.

Arbeitgeber, die stärker auf Kompetenzen, Lernfähigkeit und Haltung achten, vergrößern ihren Talentpool um ein Vielfaches. Zudem signalisiert eine Offenheit für Quereinsteiger Modernität und Anpassungsfähigkeit – Faktoren, die auch für das Employer Branding zunehmend relevant sind.

Quereinsteiger einstellen: Welche Kompetenzen bringen Quereinsteiger typischerweise ein?

Abhängig vom vorherigen Tätigkeitsfeld bringen Quereinsteiger spezifische Berufserfahrung mit. Zu diesen können gehören:

  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kundenorientierung
  • Selbstorganisation
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Belastbarkeit
  • Stressresistenz
  • Teamfähigkeit
  • soziale Kompetenz
  • Lernbereitschaft
  • Veränderungsmotivation
  • Flexibilität

Welche Vorteile bieten Quereinsteiger für Arbeitgeber?

  • Erweiterung des Talentpools über klassische Berufs- und Branchenlogiken hinaus
  • schnellere Besetzung offener Stellen trotz Fachkräftemangel
  • Zugang zu übertragbaren Kompetenzen wie Kundenorientierung, Problemlösungsfähigkeit und Selbstorganisation
  • frische Perspektiven durch neue Denkweisen und geringere Betriebsblindheit
  • höhere Anpassungsfähigkeit an Veränderungen und neue Prozesse
  • Aufbau von unternehmensspezifischem Know-how statt rein extern geprägtem Fachwissen
  • stärkere Mitarbeiterbindung durch gezielte Ausbildung und Entwicklung
  • Reduzierung langfristiger Recruiting- und Fluktuationskosten
  • positive Signalwirkung für ein modernes, lernorientiertes Arbeitgeberimage
  • Stärkung von Diversität und Perspektivenvielfalt im Unternehmen

Welche neuen Perspektiven und Impulse bringen Quereinsteiger ins Team?

Quereinsteiger hinterfragen bestehende Prozesse häufiger als langjährige Branchenkenner. Dieser frische Blick kann Innovationen fördern und Betriebsblindheit entgegenwirken. Insbesondere bei internen Abläufen, Kundenkommunikation oder Serviceprozessen entstehen so wertvolle Impulse.

Weiterhin eröffnet sich Ihnen die Möglichkeit, auf lange Sicht interne Experten einzuarbeiten, die Sie nah an den unternehmensinternen Prozessen ausbilden. Das führt häufig zu hoher Identifikation und Loyalität und somit zu einer geringeren Fluktuation.

TIPP: Binden Sie Quereinsteiger gezielt in Feedback- und Verbesserungsprozesse ein, um von ihrer Außenperspektive zu profitieren.

Quereinsteiger einstellen: Acht gute Gründe aus Unternehmenssicht

  1. Erweiterung des Talentpools
  2. Reduzierung von Vakanzzeiten
  3. Aufbau unternehmensspezifischer Expertise
  4. Förderung von Innovation und Perspektivenvielfalt
  5. Höhere Mitarbeiterbindung nach erfolgreicher Integration
  6. Entlastung klassischer Recruiting-Kanäle
  7. Stärkung des Employer Brandings
  8. Zukunftssichere Personalentwicklung
INFO: Studien zeigen, dass Quereinsteiger nach erfolgreicher Einarbeitung häufig länger im Unternehmen bleiben als extern angeworbene Spezialisten.

Welche Risiken und Herausforderungen entstehen bei der Einstellung von Quereinsteigern?

Bei der Vielzahl an Chancen gibt es auch eine Reihe von realen Herausforderungen, die Sie kennen und kalkulieren sollten. Viele dieser Herausforderungen lassen sich bereits im Vorfeld in positive Bahnen steuern, wenn sie frühzeitig berücksichtigt werden.

  • Unterschätzung des Einarbeitungsaufwands: Quereinsteiger benötigen Zeit, um fachliche Sicherheit zu entwickeln. Das kann zu Überforderung und Frustration führen.
  • Keine klare Erwartungsdefinition: Sie erwarten schnelle Produktivität, Quereinsteiger unterschätzen den fachlichen Anspruch. Transparente Zielsetzungen sind hier entscheidend.
  • Unzureichende fachliche Begleitung im Alltag: Ohne feste Ansprechpartner oder Mentoren bleiben viele Fragen ungeklärt. Das führt zu Unsicherheit, Fehlern und einem langsameren Kompetenzaufbau.
  • Überforderung durch parallele Lern- und Leistungsanforderungen: Wenn Quereinsteiger von Beginn an vollwertige Leistungen erbringen sollen, während sie gleichzeitig neue Inhalte lernen, steigt die mentale Belastung erheblich. Lernphasen benötigen geschützte Zeiträume.
  • Akzeptanzprobleme im bestehenden Team: Bestehende Mitarbeitende reagieren nicht immer positiv, vor allem wenn Quereinsteiger besondere Unterstützung erhalten oder schneller Verantwortung übernehmen. Ohne offene Kommunikation entstehen Spannungen.
  • Fehlende Strukturen für Ausbildung und Weiterbildung: Unternehmen, die Quereinsteiger einstellen, ohne über strukturierte Lernkonzepte zu verfügen, riskieren ineffiziente Einarbeitung und uneinheitliche Qualifikationsstände.
  • Zu frühe Bewertung der Leistungsfähigkeit: Quereinsteiger werden teilweise nach denselben Maßstäben beurteilt wie erfahrene Fachkräfte. Dies führt zu verzerrten Leistungsbewertungen und dem Eindruck mangelnder Eignung.

Wann lohnt sich die Ausbildungs- und Einarbeitungszeit von Quereinsteigern wirklich?

Wenn Sie kein kurzfristiges Investment planen, sondern Ihren Blick bewusst auf mittel- bis langfristige Personalplanung richten möchten, ist die Einstellung von Quereinsteigern eine vielversprechende Möglichkeit. Auch wenn sie ihren Wert selten in den ersten Wochen beweisen können, zeigt er sich häufig umso stärker bei längerer Unternehmenszugehörigkeit.

Die Ausbildungs- und Einarbeitungszeit ist besonders sinnvoll, wenn Sie Positionen besetzen möchten, die ein spezielles und schwer verfügbares Wissen über Ihr Unternehmen erfordern. Durch das Erlernen von Prozessen, Produkten, Kunden und Unternehmenskultur von Grund auf, entwickeln sich Quereinsteiger zu Mitarbeitern, die nicht nur fachlich, sondern auch intern stark eingebunden sind.

Wann sollte ich bewusst auf klassische Fachkräfte setzen?

Sobald nicht die Entwicklung, sondern die sofortige Fachkompetenz im Vordergrund steht, ist es empfehlenswert, auf Fachkräfte zu setzen. Das gilt insbesondere dann, wenn gesetzliche Vorgaben, Sicherheitsaspekte oder wirtschaftlicher Zeitdruck keine längere Lernphase zulassen. Auch bei stark spezialisierten Rollen mit geringer Fluktuation oder klar definierten Berufswegen ist der Einsatz von Quereinsteigern oft nicht sinnvoll.

Wie lassen sich Lernfortschritte, Leistung und Produktivität messbar machen?

Klare, überprüfbare und zeitlich definierte Messgrößen sind entscheidend, um den wirtschaftlichen Nutzen der Investition in Quereinsteiger bewerten zu können. Ziel ist nicht nur festzustellen, ob jemand lernt, sondern auch ab wann sich Ausbildungs- und Einarbeitungskosten durch produktive Arbeitsleistung amortisieren.

1. Messung über klar definierte Lern- und Kompetenzstufen

Statt pauschaler Erwartungen sollten Sie Lernziele in konkrete Kompetenzstufen übersetzen. Diese orientieren sich am tatsächlichen Arbeitsalltag und bauen logisch aufeinander auf. Jede Stufe erhält einen realistischen Zeitrahmen, etwa nach 4, 8 oder 12 Wochen.

Beispiele:

  1. Verständnis grundlegender Prozesse und Abläufe.
  2. Selbstständige Bearbeitung standardisierter Aufgaben.
  3. Sichere Anwendung von Tools, Systemen oder Richtlinien.
  4. Eigenständige Problemlösung in definierten Situationen.

2. Messung über konkrete Leistungskennzahlen im Arbeitsalltag

Sobald Quereinsteiger operative Aufgaben übernehmen, lassen sich Leistung und Produktivität anhand klarer Kennzahlen beobachten. Diese müssen zur jeweiligen Rolle passen und dürfen nicht mit den Maßstäben erfahrener Fachkräfte verwechselt werden.

  • Bearbeitungszeiten im Vergleich zum Lernstand
  • Fehlerquoten bei wiederkehrenden Aufgaben
  • Anzahl eigenständig gelöster Fälle
  • Rückfragenbedarf pro Arbeitseinheit
  • Einhaltung von Qualitäts- oder Servicestandards

3. Messung über strukturierte Feedback- und Entwicklungsgespräche

Regelmäßige Gespräche sind ein geeignetes Instrument, um Lernfortschritte einzuordnen und realistisch zu bewerten. Sie sollten fest terminiert und inhaltlich vorbereitet sein.

Bewährt haben sich Gespräche nach der Einarbeitungsphase, zu definierten Lernmeilensteinen sowie bei dem Übergang in höhere Verantwortungsstufen. In diesen Gesprächen sollten Sie nicht nur die Leistung, sondern auch das Lernverhalten, die Selbstorganisation und Sicherheit im Arbeitsalltag bewerten.

Fazit: Sollten Arbeitgeber Quereinsteiger einstellen?

Das Einstellen von Quereinsteigern kann eine wirkungsvolle Maßnahme moderner Personalarbeit sein. Wenn Sie bereit sind, in Ausbildung, Weiterbildung und Integration zu investieren, eröffnen sich neue Chancen im Kampf um Talente. Vor allem auf langfristige Sicht können Quereinsteiger zu loyalen, leistungsstarken Mitarbeitenden werden – und zu einem festen Bestandteil einer nachhaltigen HR-Strategie.

Stellenanzeigen-Treff
Ein Service der VeriTreff GmbH
Beitrag teilen:
continue-from-pointstepdevices live-chathandshakevaluevalue customers users viewermonitormagazinesocial-mediaworldwideedit-videocpcJobboardjobbrowser24-hoursofferclockconsultinghandverified-usercheckliste paket settinginstagram-geschichtencallfaqmail kontakt-formularwebsiteextrastaruserright-arrow map itgroupclose job browserwiederkehrender-besucherseitenaufrufejob-1euroanalytics online-shop top-10selectpresentationswebsite-designeffective